06/17/2012 17:43

„Puma“ 2., aber „Groupama“ top, Franzosen gewinnen Etappe und haben 23 Punkte Vorsprung

Category: Deutschland

LORIENT.  Die französische Hochseesegelyacht „Groupama“ hat am Freitagnachmittag (15. Juni) die vorletzte Etappe des Volvo Ocean Race gewonnen und damit beste Aussichten auf den Gesamtsieg in der Regatta rund um die Welt. Skipper Franck Cammas steuerte die 21,50 Meter lange „Rennziege“ nach einer dramatischen Überfahrt mit schwerem Sturm von Lissabon/Portugal rund um die Azoren als strahlender Sieger in den Heimhafen Lorient an der Atlantikküste. Die „Puma“ unter Skipper Ken Read mit dem einzigen Deutschen Michael Müller an Bord wurde eine knappe Viertelstunde hinter der „Camper“ von Chris Nicholson aus Neuseeland nur Dritter. Das US-Team kletterte zwar aufgrund eines Ruderbruchs der spanischen „Telefoníca“ (Iker Martínez) im Zwischenklassement auf Rang zwei, hat aber vor der letzten Etappe und zwei noch folgenden Hafenrennen schon 23 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter. Die Regatta wird am 1. Juli nach einem In-Port-Race am Vortag fortgesetzt. Die letzte Entscheidung über die Podiumsplätze fällt am 7. Juli in Galway/Irland.

Windböen bis Stärke zehn türmten haushohe Wellen auf. Die Boote erreichten Geschwindigkeiten jenseits der innerorts erlaubten 50 km/h. Und das alles in stockdunkler Nacht. Das waren die extremen Zutaten auf dem vorletzten Teilstück, mit denen das Volvo Ocean Race seinem Ruf als härteste Regatta der Welt einmal mehr gerecht wurde. Held der Etappe war der Neuseeländer Brad Marsh. Als Vorschiffsmann kletterte er waghalsig in den 31 Meter hohen Mast der „Groupama“, als sich das Fall verklemmt hatte, mit dem das Großsegel hochgezogen wird. Trotz einer Schnittwunde an der Hand löste der 28-jährige das Problem in der stark schwankenden Mastspitze nach zwei Stunden und sicherte seiner Mannschaft letztlich den phänomenalen Triumpf.

Pechvogel des Monats wurde dagegen Iker Martínez. Am Tag vor seinem 35. Geburtstag büßte der 49er-Olympiasieger von 2004 durch einen doppelten Ruderbruch praktisch alle Chancen auf einen Gesamtsieg der „Telefoníca“ ein. Zunächst hatte seine Crew ähnlich heldenhaft wie die „Groupama“ noch einen Ruderbruch überstanden und in einer Dreiviertelstunde das einzige Ersatzruder eingebaut. Doch um halb zwei in der Nacht zu Freitag passierte es erneut: Bei neun Beaufort setzte das Team zu einer Halse an, wurde von einer Monsterwelle aus der Bahn geworfen, und brach bei der unsanften Landung das zweite Ruder. Auch das Ersatzruder wurde beschädigt, so dass die Mannschaft zwar aus eigener Kraft, aber nur noch deutlich langsamer zum Ziel segeln konnte.

Kaum Freude über den zweiten Gesamtrang kam an Bord der „Puma“ auf. „Silber“ hatte das Team schon beim vorigen Volvo Ocean Race geholt und wollte diesmal ganz oben aufs Treppchen. Mit Topspeeds von 35 Knoten (fast 70 km/h) raste die „Raubkatze“ übers aufgewühlte Wasser, doch die „Groupama“ schien unterm Strich meist einen Tick schneller. Unwiderstehlich hatten sich die Franzosen immer wieder die Führung erobert, nachdem Ken Read & Co. nach dem Start in Lissabon zunächst souverän die Spitze übernahmen. „Platz drei ist diesmal wie eine kleine Katastrophe. Wir waren über weite Strecken schlicht langsamer, keine Frage“, gab Read unumwunden zu.

Der zehnte Podiumsplatz in Folge sei zwar an sich großartig, „doch natürlich wollten wir mehr. Das war einfach nicht gut genug.“ Die Enttäuschung sei schon riesen-groß, sagte auch der Kieler „Michi“ Müller, nach so hartem Kampf nicht noch mehr erreicht zu haben. Read: „Wir müssen uns nicht schämen, aber vor allem als es richtig windig wurde, haben wir ein paar Fehler gemacht, die die Gegner ausgenutzt haben.“ Rechnerisch sei der Gesamtsieg zwar noch möglich, doch dazu müsse schon eine Menge zusammenpassen.

Entsprechend überschwänglich wurde die Crew der „Groupama“ von ihren Landsleuten gefeiert. „Cammas, der Präsident“, skandierten die Fans, und das gesamte Team duschte in Champagner. „Wir sind besonders in der letzten Nacht der Etappe ein hohes Risiko gegangen“, berichtete Cammas, „aber das hat sich am Ende ausgezahlt.“ Mit gerefftem Großsegel, das wegen der technischen Probleme nicht mehr ganz zu setzen war, kreuzte die Yacht um kurz nach halb zwei die Ziellinie knapp eine Stunde vor der „Camper“. Vor zehn Monaten noch ein Traum, könnte er nun im Erfüllung gehen, der Sieg im Volvo Ocean Race 2011-2012.

Noch ist nicht aller Tage Abend, doch 23 Zähler sind schon mehr als vier Einzelplätze auf der letzten Hochseeetappe, die am Sonntag, dem 1. Juli, gestartet wird und nur zwei Tage dauern soll. Puma Ocean Racing bleibt die Hoffnung auf die ausstehenden beiden Hafenrennen am 30. Juni in Lorient sowie eine Woche später im irischen Zielhafen Galway. „Wir werden noch einmal alles geben, auch wenn wir es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen können“, so Ken Read, „aber wer weiß schon, was noch alles passieren kann.“ Dabei muss die Mannschaft jedoch auch aufpassen, dass sie ihren zweiten Rang gegen die weiteren Verfolger, die nur fünf Punkte zurück liegen, verteidigt.
(Ende)

Ergebnis der 8. Etappe von Lissabon/Portugal nach Lorient/Frankreich:

1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 4 Tage, 23 Std., 31 Min., 4 Sek.       30 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 5 Tage, 30 Minuten, 9 Sekunden      25
3. Puma (Ken Read/USA) 5 Tage, 43 Minuten, 4 Sekunden                                   20
4. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) Freitag, 15.30 Uhr noch auf See    (15)
5. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) Freitag, 15.30 Uhr noch auf See     (10)
6. Sanya (Mike Sanderson/China) Freitag, 15.30 Uhr noch auf See          (5)

Zwischenstand nach der achten von neun Etappen

1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich)     219 Punkte
2. Puma (Ken Read/USA)                                    196
3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland)        191
4. Telefoníca            (Iker Martínez/Spanien)                 (191)
5. Abu Dhabi (Ian Walker)                                    (122)
6. Sanya (Mike Sanderson/China)                       (39)

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