12/19/2011 12:32

Starbootcrew Stanjek/Kleen Vizeweltmeister

Category: Deutschland

Auch 49er und 470er-Frauen für Olympia qualifiziert

PERTH.  Großer Erfolg für Oldenburger Segelmannschaft: Fünf Aktive des EWE Sailing Teams haben sich am Wochenende bei den Weltmeisterschaften im australischen Perth für die Olympischen Spiele 2012 qualifiziert. Dabei ragte Starboot-Vorschoter Frithjof Kleen mit seinem Steuermann Robert Stanjek aus Berlin durch den Gewinn der Vizeweltmeisterschaft heraus. Die Kieler 49er-Crew Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann verteidigte ihren Vorsprung in der nationalen Olympiaqualifikation für die Segelwettbewerbe in Weymouth als WM-13. souverän. Denkbar knapp lösten die 470er-Frauen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher (Hamburg) die Olympiafahrkarten, obwohl sie nur 28. wurden. Insgesamt schaffte die Equipe des Deutschen Segler-Verbands in acht von zehn Disziplinen die Olympianormen für England.

Riesen-Jubel brandete im gesamten deutschen Segellager beim Zieldurchgang des Medaillenrennens der Starboote auf. Robert Stanjek und Frithjof Kleen krönten ihre starke WM-Gesamtleistung mit einem dritten Platz im Finale und sorgten mit der Silbermedaille für den einzigen deutschen WM-Platz auf dem Podium. Das Duo, das sich erst zu Jahresbeginn wieder zusammenfand, hatte bereits am Vortag die Olympiaausscheidung zu seinen Gunsten klar gemacht. Auch die Hamburger Johannes Polgar und Markus Koy waren in das Medalrace eingezogen, in dem sie sich auf WM-Platz acht verbesserten und den Erfolg für das EWE Sailing Team komplettierten. Weltmeister wurden die überragenden Brasilianer Robert Scheidt und Bruno Prada.

„Wir sind in Australien eine Klasse-Woche gesegelt, in der alles zusammengepasst hat“, meinte Kleen, „die Olympiatickets sind das Wichtigste und WM-Silber noch ein i-Tüpfelchen oben drauf.“ Zwar habe das Team auch vom verletzungsbedingten Ausscheiden der britischen Olympiasieger Iain Percy und Andrew Simpson profitiert, doch hätten die vielleicht nur die Farbe der Medaille verändert. „Als wir uns vor ziemlich genau einem Jahr trafen und noch einen zweiten gemeinsamen Versuch vereinbarten, wusste noch niemand, ob das überhaupt klappen kann“, so der 28-Jährige weiter, „aber die gesamte Saison war grandios.“ Nach ein paar ruhigen Feiertagen zu Hause in Deutschland beginnt bereits die intensive Olympiavorbereitung. „Nach dem Aufstieg kann es ja nur noch eine Olympiamedaille werden, alles andere wäre ja ein Rückschritt, „sagte Frithjof Kleen mit einem Augenzwinkern.

Hohe emotionale Wellen schlug die nationale Olympiaausscheidung der 470er-Frauen. Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher waren mit einem knappen Zwei-Punkte-Vorsprung aus den ersten beiden Qualifikationsregatten vor Tina Lutz und Susann Beucke (Holzhausen/Strande) in die WM gestartet. Eine Frühstartdisqualifikation der Hamburgerinnen machte einen gelungenen Auftakt als Siebte zunichte. Das brachte die Favoritinnen für den Olympiastartplatz aus dem Konzept. Nach verhaltenen Starts langte es danach nur zu Mittelplätzen, während die einheimische Konkurrenz die Führung in der Olympiaausscheidung übernommen hatte.

Mit Rückendeckung des internationalen Regelwerks konzentrierten sich Kadelbach/Belcher fortan nicht mehr auf das eigene WM-Ergebnis, sondern versuchten im Zweikampf, Lutz/Beucke wieder aus den Punkträngen (1 – 20) zu segeln. „Das war sicher nicht schön, aber angesichts unseres Saisonziels, für das wir genauso hart gearbeitet haben, die beste und richtige Strategie“, rechtfertigte das EWE Sailing Team das Vorgehen, für das es viel Kritik einstecken musste. Am Ende wurden Lutz/Beucke 20. und verloren die Ausscheidung mit einem Zähler Rückstand, sicherten aber sogar noch den 14. Nationenstartplatz für Deutschland. „Den hätten Kathrin und Rike sonst bei der nächsten WM im Mai in Barcelona geholt“, ist EWE-Teambetreuerin Christiane de Nijs sicher, die ihren Schützlingen beipflichtete: „Spielregeln sind manchmal hart, aber auch dazu da, genutzt zu werden. Deshalb sollte niemand Spitzensportlerinnen hinterher moralische Vorwürfe machen, wenn sie das tun und sich durchsetzen.“

Neben den sportlichen Glanzlichtern, zu denen auch die knapp verpasste WM-Medaille des Lübecker Laserseglers Simon Grotelüschen am Schlusstag gehörte, und der beinharten Ausscheidung geriet die Olympiafahrkarte der 49er-Mannschaft Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann aus Kiel zwar etwas in den Hintergrund. Der überschwänglichen Freude des Duos, das mit einem 13. Platz in Perth das bessere Ende für sich behielt, tat das keinen Abbruch. Lange Zeit lag das EWE Sailing Team sogar auf Kurs Medaillenrennen, leistete sich aber gegen Ende ein paar Patzer. „Wir wollten zwar in die Top Ten, aber die Olympiaquali stand über allem“, so Schadewaldt und Baumann. Beste Deutsche wurden Erik Heil und Thomas Plößel (ebenfalls Kiel), die als Elfe allerdings genauso am Einzug ins Medalrace scheiterten.

Wie schon die gesamte Saison blieben die Berliner Heiko Seelig und Lucas Zellmer (EWE Sailing Team) im 470er auch bei der WM ohne Fortune. Sie scheiterten sogar am Cut für die Goldflotte und wurden am Ende 43. „Trotz guter Vorbereitung konnten sie ihre Leistung nicht wie erhofft steigern“, bilanzierte Christiane de Nijs die einzige Niederlage. Zu Olympia fahren Ferdinand Gerz und Patrick Follmann (Seefeld/München) als WM-15. Gleichwohl bedeutet der Gewinn von drei von vier möglichen Olympiaqualifikationen kräftigen Rückenwind für das Oldenburger Segelteam das vom Energieunternehmen EWE gefördert wird.

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