06/11/2012 20:25

Traumstart für „Puma“ in Lissabon

Category: Deutschland
Frühe Führung, dann Zweiter / Platz zwei auch im Hafenrennen

LISSABON.  Nach einem perfekten Start in Lissabon/Portugal hatte das „Puma“-Segelteam von US-Skipper Ken Read mit dem Kieler Vorschiffsmann Michael Müller auf dem achten und vorletzten Teilstück des Volvo Ocean Race die Etappenführung übernommen und seine Ambitionen auf den Gesamtsieg bei der härtesten Hochseeregatta rund um die Welt untermauert. Franck Cammas’ Spitzenreiter „Groupama“ musste die Reise in ihren französischen Heimathafen Lorient am Sonntag (10. Juni) zunächst als Schlusslicht der sechs Boote aufnehmen. Tags zuvor hatte sie ihren Vorsprung im Gesamtklassement mit einem Sieg im Hafenrennen vor der erneut Letzten „Telefoníca“ (Iker Martínez/Spanien) auf acht Punkte ausgebaut. „Puma“ wurde Zweiter und hat 13 Zähler Rückstand, zehn weniger als die neuseeländische „Camper“ von Chris Nicholson auf Platz vier, die allerdings auch noch das Podium im Visier hat. Nach der ersten Nacht auf See blieb es spannend: „Telefoníca“ lag 2,4 Seemeilen vor „Puma“ vorn, die hauchdünn vor „Groupama“. Der Zieleinlauf wird nach fast 2000 Seemeilen (3600 Kilometer) auf einem Kurs rund um San Miguel auf den Azoren-Inseln in knapp einer Woche am Sonnabend, dem 16. Juni, erwartet. Die endgültige Entscheidung fällt nach der letzten Etappe (1. bis 3. Juli) bei einem Hafenrennen am 7. Juli in Galway (Irland).

 

Zigtausend Zuschauer säumten am Wochenende die Ufer des Flusses Tagus inmitten der maritimen Hauptstadt Portugal, wo die sechs Mannschaften zwei Segelkrimis der Extraklasse darboten. Noch nie zuvor in der fast 40-jährigen Geschichte des ehemaligen Whitbread Race war eine Ausgabe gegen Ende so spannend. Vier der sechs Teilnehmer dürfen sich noch Chancen auf den Titel ausrechnen. Entsprechend war schon das Hafenrennen am Sonnabend nur so von Attacken und Führungswechseln gespickt. Denn jeder einzelne Punkt kann in der Endabrechnung entscheidend sein, wer auf dem Treppchen stehen darf.

 

Bei mäßigen bis frischen Winden kämpften Matchrace-As Ken Read und der 49er-Olympiasieger von 2004, Iker Martínez, bereits vor der Startlinie des Oeiras In-Port Races mit harten Bandagen. In einem engen Luvkampf protestierten beide wegen Behinderung, und die Jury auf dem Wasser bestrafte den Spanier, der seinen optimalen Kurs nicht hätte ändern dürfen, um die „Puma“ anzugreifen. Die „Telefoníca“ musste eine 360-Grad-Strafdrehung absolvieren und hatte später auch noch ein technisches Problem mit dem Gennaker. Die Folge: Ein negativer Hattrick. Zum dritten Mal in Folge wurde das Team, das mehr als die Hälfte der Weltregatta überlegen vorn lag, in den Hafenrennen nur Letzter.

 

Den Zweikampf ihrer beiden härtesten Verfolger um den besten Startplatz nutzte die „Groupama“ ihrerseits zu einer knappen Führung. Die wechselte bis zur ersten Tonne zwar noch zweimal mit der „Camper“, doch dann hatte Cammas den Bug vorn und verteidigte den Vorsprung bis ins Ziel. Durch einen taktischen Schachzug an der letzten Bahnmarke kletterte die „Puma“-Crew noch auf den zweiten Rang. „Wie schon auf der Transatlantiketappe haben wir zwei unser drei wichtigsten Gegner geschlagen, damit sollten wir zufrieden sein“, meinte Müller nach dem Hafenrennen.

 

Dass wieder die Franzosen nicht zu schlagen waren, unterstrich deren Favoritenrolle. Denn die vorhergesagten Bedingungen auf der ersten Etappenhälfte nach Lorient sollten Cammas & Co. in die Karten spielen. „Ein spitzer Halbwindkurs ist nicht gerade unsere Schokoladenseite, aber die der ‚Groupama‘“, analysierte Ken Read, „da werden wir dran bleiben müssen, bis es in die Biskaya hoffentlich wieder einen harten Vorwindkurs gibt.“ Dafür soll ein Sturmtief sorgen, in dem es zugleich einmal mehr darum gehen könnte, den Fuß vom Gas zu nehmen, damit Boot, Mast und Segel keinen Schaden erleiden.

 

Was das Potential der direkten Konkurrenz anbelangte, sollte der US-Skipper Recht behalten. Bei Bootsgeschwindigkeiten nahe der 20 Knoten schloss über Nacht nicht nur Franck Cammas mit der „Groupama“ nahezu auf. Iker Martínez zeigte auf der „Telefoníca“ wieder die Zähne und dass er die Pechsträhne der vergangenen Wochen keineswegs fortsetzen will. Mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit setzte er sich im Dunkeln der Nacht an die Spitze des Felds. Am Morgen war der Spitzen-Trio rund 600 Seemeilen vor den Azoren nach wie vor in Sichtweite.

 

Ergebnis des Hafenrennens Oeiras In-Port Race in Lissabon/Portugal:

1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 61 Minuten, 22 Sekunden     6 Punkte
2. Puma (Ken Read/USA) 61 Minuten, 44 Sekunden     5 Punkte
3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 62 Minuten, 30 Sekunden,  4 Punkte
4. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) 63 Minuten, 8 Sekunden, 3 Punkte
5. Sanya (Mike Sanderson/China) 64 Minuten, 50 Sekunden, 2 Punkte
6. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 65 Minuten, 39 Sekunden, 1 Punkte

 

Zwischenstand vor der achten von neun Etappen
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich)     189 Punkte
2. Telefoníca            (Iker Martínez/Spanien)   181 Punkte
3. Puma (Ken Read/USA)                                 176 Punkte
4. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland)        166 Punkte
5. Abu Dhabi (Ian Walker)                               107 Punkte
6. Sanya (Mike Sanderson/China)                     34 Punkte

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